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00:00:08.989 --> 00:00:12.546
Dr. Susanne Prätor ist Soziologin und Kriminologin.

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00:00:12.630 --> 00:00:15.145
Während ihrer Tätigkeit am Kriminologischen

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00:00:15.229 --> 00:00:19.426
Forschungsinstitut Niedersachsen promovierte
sie an der Universität Bremen

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00:00:19.510 --> 00:00:22.225
und forschte insbesondere zur Jugendkriminalität,

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00:00:22.309 --> 00:00:25.629
unter anderem im Rahmen der KFN Schülerinnenbefragung.

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00:00:25.909 --> 00:00:28.866
Anschließend war sie viele Jahre im kriminalistischen
Dienst

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00:00:28.950 --> 00:00:33.066
des niedersächsischen Justizvollzug tätig.
Heute ist sie Professorin

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00:00:33.150 --> 00:00:36.625
für Sozialwissenschaften und Führung an der
Polizeiakademie

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00:00:36.709 --> 00:00:40.066
Niedersachsen. Jugendkriminalität ist ja oft
ein Thema

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00:00:40.150 --> 00:00:42.145
und man hört auch immer wieder von einzelnen
Fällen,

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00:00:42.229 --> 00:00:45.186
wo Jugendliche beteiligt sind. Wie schlimm
ist es denn

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00:00:45.270 --> 00:00:48.546
um die Jugend bestellt? -Also grundsätzlich
muss man sagen,

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00:00:48.630 --> 00:00:51.666
dass Kriminalität, abweichendes Verhalten,
Gewalt

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00:00:51.750 --> 00:00:55.945
im Jugendalter durchaus normal ist, auch wenn
das erst mal nicht schön klingt.

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00:00:56.029 --> 00:00:59.346
Aber wenn man Studien sich anschaut über einen
längeren Zeitraum

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00:00:59.430 --> 00:01:01.000
im Jugendalter, dann sieht man, der Großteil

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00:01:01.000 --> 00:01:04.000
der Jugendlichen hat irgendwann irgendeine
Form von Abweichenden

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00:01:04.000 --> 00:01:07.000
oder sogar kriminellen Verhalten begangen.
Es ist erst mal normal,

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00:01:07.000 --> 00:01:09.000
weil es eine Lebensphase ist, in der Jugendliche

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00:01:09.000 --> 00:01:12.000
sich austesten, Grenzen austesten, Grenzen
überschreiten.

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00:01:12.000 --> 00:01:15.000
Das ist bei vielen der einfache Ladendiebstahl,

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00:01:15.000 --> 00:01:17.000
bei manchen auch eine Gewalttat, was weniger
schön ist.

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00:01:17.000 --> 00:01:21.000
Aber für den Großteil gilt Es ist normal,
bestimmtes, abweichendes Verhalten zu

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00:01:21.000 --> 00:01:24.000
zeigen. Und für einen eher kleinen Teil ist
es tatsächlich so,

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00:01:24.000 --> 00:01:26.000
dass es häufiger zu bestimmten Straftaten
kommt

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00:01:26.000 --> 00:01:29.000
oder auch zu schweren Gewalttaten. Das ist
tatsächlich eine Gruppe,

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00:01:29.000 --> 00:01:33.000
die die man sich genauer anschauen sollte,
weil das natürlich ein Verhalten ist,

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00:01:33.000 --> 00:01:36.000
was man vermeiden möchte und von dem man nicht
möchte,

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00:01:36.000 --> 00:01:39.000
dass sich das verfestigt auf lange Sicht. -Also
gibt es einen Teil

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00:01:39.000 --> 00:01:42.000
von Jugendkriminalität, der quasi nicht so
normal ist,

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00:01:42.000 --> 00:01:45.000
der vor allem durch wiederholte Taten oder
sehr schwerwiegende Taten auffällt.

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00:01:45.000 --> 00:01:49.000
Was sind denn die Ursachen dafür? -Ja, also
der kleine Teil,

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00:01:49.000 --> 00:01:52.000
um den vielleicht noch mal zu beziffern. Also
man sagt immer, in der Regel

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00:01:52.000 --> 00:01:56.000
sind so 5 % einer aller jugendlichen Straftäter

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00:01:56.000 --> 00:02:00.000
für das Aufkommen der Straftaten insgesamt
im Jugendalter verantwortlich.

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00:02:00.000 --> 00:02:04.000
Also das zeigt sehr, sehr wenige. Wir begehen
sehr, sehr viele Straftaten.

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00:02:04.000 --> 00:02:06.000
Und da sind tatsächlich Probleme im Hintergrund,

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00:02:06.000 --> 00:02:11.000
die man sich genauer anschauen sollte. Sehr
häufig ist ein Risikofaktor

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00:02:11.000 --> 00:02:13.000
oder eine Ursache dafür. Elterliches Verhalten.

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00:02:13.000 --> 00:02:16.000
Die elterliche Erziehung insgesamt. Wissen
Eltern,

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00:02:16.000 --> 00:02:18.000
mit wem ich mich in meiner Freizeit wo aufhalte?

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00:02:18.000 --> 00:02:21.000
Interessieren sie sich für mich? Wie sind
meine schulischen Leistungen?

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00:02:21.000 --> 00:02:24.000
Wie gut komme ich im Leben zurecht? Das ist
ein zentraler Faktor,

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00:02:24.000 --> 00:02:26.000
vor allen Dingen aber auch Gewalt im Elternhaus.

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00:02:26.000 --> 00:02:30.000
Dann die Freundesgruppe mit Freunden. Mit welchen
Freunden bin ich unterwegs?

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00:02:30.000 --> 00:02:34.000
Zeigen die selber abweichendes Verhalten, ist
es ein Stück weit normal,

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00:02:34.000 --> 00:02:37.000
sich gewalttätig zu verhalten? Das sind Kombinationen,

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00:02:37.000 --> 00:02:39.000
erklärt schon sehr, sehr viel von Jugendgewalt

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00:02:39.000 --> 00:02:42.000
oder von schwerer Jugendgewalt und gehäufter
Jugendgewalt

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00:02:42.000 --> 00:02:45.000
in Kombination mit. Ich habe auch andere gesellschaftliche
Bereiche,

51
00:02:45.000 --> 00:02:47.000
wo ich keine Anerkennung bekomme. Also ich
bin auch schulisch

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00:02:47.000 --> 00:02:50.000
beispielsweise eher abgehängt oder stehe da
schlecht da,

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00:02:50.000 --> 00:02:53.000
bin wenig integriert, habe wenig Freizeitaktivitäten,

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00:02:53.000 --> 00:02:56.000
wenig Hobbys, wenig Tagesstruktur. Und wenn
man viel Zeit quasi

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00:02:56.000 --> 00:02:59.000
unstrukturiert irgendwo verbringt mit Menschen,

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00:02:59.000 --> 00:03:01.000
die vielleicht auch eher Straftaten begehen

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00:03:01.000 --> 00:03:03.000
und in Kombination mit Eltern, die sich nicht
interessieren,

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00:03:03.000 --> 00:03:07.000
dann ist das Risiko relativ groß, dass ich
selbst zum Gewalttäter werde.

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00:03:07.000 --> 00:03:12.000
Und das sind gehäufte Formen. -Wie kann man
da jetzt präventiv ansetzen.

60
00:03:12.000 --> 00:03:15.000
Was gilt es zu tun, um Jugendgewalt zu senken?

61
00:03:15.000 --> 00:03:17.000
Also vor allen Dingen an diesen Ursachenfaktoren

62
00:03:17.000 --> 00:03:21.000
sollte man ansetzen, um Jugendgewalt nachhaltig
zu reduzieren.

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00:03:22.000 --> 00:03:24.000
Deutschland ist da ja schon auf einem sehr
guten Weg

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00:03:24.000 --> 00:03:27.000
mit der Ächtung von elterlicher Gewalt, also
Abschaffung

65
00:03:27.000 --> 00:03:29.000
des elterlichen Tüchtigungsrechts im Jahr
2000.

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00:03:29.000 --> 00:03:33.000
Das hat eine sehr positive Entwicklung im Bereich
von Gewaltverhalten

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00:03:33.000 --> 00:03:35.000
oder häuslicher Gewalt hervorgebracht. Gleichzeitig
sehen wir,

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00:03:35.000 --> 00:03:37.000
es ist immer noch ein Thema. Also es ist nicht
weg,

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00:03:37.000 --> 00:03:40.000
auch wenn es deutlich reduziert wurde. Und
ansonsten

70
00:03:40.000 --> 00:03:42.000
geht es auch darum, Jugendlichen Möglichkeiten

71
00:03:42.000 --> 00:03:44.000
zu bieten, Anerkennung zu bekommen. Also sei
es in Form

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00:03:44.000 --> 00:03:46.000
von Freizeitaktivitäten, von bestimmten Hobbys.

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00:03:47.000 --> 00:03:50.000
Schulisch ein Auge drauf zu haben, dass Menschen
integriert sind

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00:03:50.000 --> 00:03:53.000
und nicht irgendwie ausgegrenzt werden. In
der Regel ist das eine Folge davon,

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00:03:53.000 --> 00:03:55.000
dass Anerkennung auf mehreren Ebenen fehlt.

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00:03:55.000 --> 00:03:59.000
Und die sollte ich versuchen, Jugendlichen
so gut es geht zurückzugeben

77
00:03:59.000 --> 00:04:03.000
oder eine Plattform dafür zu geben, was definitiv
nicht so zielführend ist

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00:04:03.000 --> 00:04:05.000
und wo es auch eine Reihe von Befunden dazu
gibt,

79
00:04:05.000 --> 00:04:08.000
dass das früher ist, vielleicht auch noch
hartes Bestrafen

80
00:04:08.000 --> 00:04:11.000
wirkungsvoll ist, um Jugendgewalt nachhaltig
zu reduzieren.

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00:04:11.000 --> 00:04:14.000
Es gibt ja immer wieder die Diskussion um Absenkung
des Strafmündigkeit.

82
00:04:14.000 --> 00:04:18.000
Salters Was so eine Reaktion ist auf möglicherweise
steigende Zahlen

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00:04:18.000 --> 00:04:21.000
im Bereich der Jugendgewalt. Und da ist die
Forschung sich sehr einig,

84
00:04:21.000 --> 00:04:24.000
dass das. Natürlich muss man intervenieren,

85
00:04:24.000 --> 00:04:27.000
aber nicht mit möglichst schweren oder harten
Sanktionen,

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00:04:28.000 --> 00:04:31.000
sondern eher mit milden Reaktionen darauf und
nicht mit einer Absenkung

87
00:04:31.000 --> 00:04:33.000
der Strafmündigkeit. Aber die beste Prävention
ist,

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00:04:33.000 --> 00:04:38.000
an den Ursachen Faktoren anzusetzen. Okay.
-Wie entwickelt sich

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00:04:38.000 --> 00:04:40.000
denn Jugendkriminalität? Man hört ja schon
öfter,

90
00:04:40.000 --> 00:04:44.000
dass es steigt und schlimmer wird. Wie kann
man das

91
00:04:44.000 --> 00:04:48.000
aus ologischer Perspektive beurteilen? -Ja,
es ist immer die Frage,

92
00:04:48.000 --> 00:04:50.000
welchen Zeitraum man sich da so anschaut und
vor allen Dingen auch,

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00:04:50.000 --> 00:04:53.000
welche Datenquelle man sich anschaut. Also
man kann das Hellfeld schauen,

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00:04:53.000 --> 00:04:57.000
was also polizeilich in Erscheinung tritt und
Dunkelfeld Daten sich anschauen,

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00:04:57.000 --> 00:05:00.000
wo man Jugendliche befragt. Hast du eine bestimmte
Straftat

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00:05:00.000 --> 00:05:03.000
in den letzten zwölf Monaten beispielsweise
begangen?

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00:05:03.000 --> 00:05:06.000
Wenn man ins Hellfeld schaut? Polizeiliche
Kriminalstatistik

98
00:05:06.000 --> 00:05:08.000
ist auch die Frage Was ist der Zeitraum, den
ich mir anschaue?

99
00:05:08.000 --> 00:05:12.000
Wenn wir über die letzten 20 Jahre beispielsweise
und Jugendgewalt anschauen,

100
00:05:12.000 --> 00:05:15.000
dann sehen wir, dass es mehr oder weniger gleichbleibend,

101
00:05:15.000 --> 00:05:18.000
sogar leicht rückläufig. Wenn wir uns anschauen

102
00:05:18.000 --> 00:05:20.000
die letzten zehn Jahre, Dann gibt es tendenziell
wieder Anstiege

103
00:05:20.000 --> 00:05:24.000
im Bereich von Jugendgewalt und zwischendrin
gab es auch mal Phasen,

104
00:05:24.000 --> 00:05:27.000
wo es sehr stark zurückgegangen ist. Also
2007 2008

105
00:05:27.000 --> 00:05:30.000
hatten wir einen Höhepunkt im Bereich von
Jugendgewalt

106
00:05:30.000 --> 00:05:33.000
und bis ungefähr 2015 ist das sehr, sehr deutlich
zurückgegangen,

107
00:05:33.000 --> 00:05:35.000
was vor allen Dingen auch damit zu erklären
ist,

108
00:05:35.000 --> 00:05:38.000
dass diese Risikofaktoren durch Prävention
vor allen Dingen sehr,

109
00:05:38.000 --> 00:05:41.000
sehr stark oder sehr positiv entwickelt haben

110
00:05:41.000 --> 00:05:43.000
und damit auch Jugendgewalt zurückgedrängt
haben. Also von daher

111
00:05:43.000 --> 00:05:45.000
hängt es immer sehr vom Referenzzeitraum ab.

112
00:05:45.000 --> 00:05:48.000
Insgesamt sieht man aber über den über einen
längeren Zeitraum,

113
00:05:48.000 --> 00:05:52.000
was auch sinnvoller ist, sich einen längeren
Zeitraum anzuschauen,

114
00:05:52.000 --> 00:05:55.000
dass es keine dramatische Zunahme im Bereich
von Jugendgewalt gibt.

115
00:05:56.000 --> 00:06:00.000
Manchmal gibt es da ja auch die These, dass
es zu keiner Zunahme gekommen ist,

116
00:06:00.000 --> 00:06:04.000
aber die Taten an sich schwerer werden, also
die Jugendlichen brutaler werden.

117
00:06:04.000 --> 00:06:08.000
Das ist eine vielfach zu hörende These, dass
Jugend immer brutaler wird,

118
00:06:08.000 --> 00:06:11.000
dass man früher eher aufgehört hat, zuzuschlagen.
Und heute

119
00:06:11.000 --> 00:06:14.000
wird noch zugetreten, wenn jemand bereits am
Boden liegt.

120
00:06:15.000 --> 00:06:17.000
Das sieht und hört man viel, dass vor allen
Dingen medial vermittelt.

121
00:06:17.000 --> 00:06:21.000
Das Bild lässt sich aber auf verschiedene
Art und Weisen,

122
00:06:21.000 --> 00:06:23.000
wie man das versucht hat, in der Forschung
zu überprüfen,

123
00:06:24.000 --> 00:06:27.000
lässt sich dieser Befund nicht bestätigen.
Man kann in die PKS schauen,

124
00:06:27.000 --> 00:06:29.000
sich verschiedene Qualitäten von Straftaten
anschauen.

125
00:06:29.000 --> 00:06:33.000
Man kann sich die Statistik der Deutschen Gesetzlichen
Unfallversicherung anschauen,

126
00:06:33.000 --> 00:06:35.000
die Schulunfälle oder gewaltbedingte Vorfälle

127
00:06:35.000 --> 00:06:38.000
im Schulkontext dokumentiert. Auch da sieht
man

128
00:06:38.000 --> 00:06:40.000
Es gibt keinen Hinweis darauf, dass es beispielsweise

129
00:06:40.000 --> 00:06:44.000
heute häufiger zu Frakturen kommt als noch
vor zehn Jahren.

130
00:06:44.000 --> 00:06:47.000
Und es gibt auch verschiedene weiterführende
Studien zu diesem Thema,

131
00:06:47.000 --> 00:06:52.000
die auch Aktenanalysen durchgeführt haben.
Also es gibt keine empirische Bestätigung

132
00:06:52.000 --> 00:06:54.000
für die Annahme, dass es zu einer Brutalisierung

133
00:06:54.000 --> 00:06:58.000
gekommen ist. Was nicht heißt, dass es nicht
vereinzelt

134
00:06:58.000 --> 00:07:00.000
an bestimmten Orten, wo es vielleicht auch
eine Häufung

135
00:07:00.000 --> 00:07:03.000
von bestimmten sozialen Problemen gibt, trotzdem
der Fall sein kann.

136
00:07:03.000 --> 00:07:06.000
Insgesamt für Deutschland ist das aber definitiv
nicht der Fall.

137
00:07:06.000 --> 00:07:10.000
Dass diese Brutalisierungssthese zutrifft und
dass sie so hartnäckig sich hält,

138
00:07:10.000 --> 00:07:13.000
liegt vor allem daran, dass das, was medial
berichtet wird,

139
00:07:14.000 --> 00:07:16.000
eben die Fälle sind, die besonders spektakulär
sind,

140
00:07:16.000 --> 00:07:19.000
die besonders dramatisch sind und deswegen
bei vielen Menschen

141
00:07:19.000 --> 00:07:22.000
der Eindruck entsteht, es sei zu einer Brutalisierung
gekommen.

